Das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wächst - neun Neuaufnahmen bestätigt

Das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wächst - neun Neuaufnahmen bestätigt.
Am 13. März 2020 haben die Kulturministerkonferenz, die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Deutsche UNESCO-Kommission in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekanntgegeben, dass es neun Neuaufnahmen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gibt.
Dabei handelt es sich um diese sieben lebendigen Kulturformen:

  •  Süddeutsche Wander- und Hüteschäferei
  • Handwerkliches Bierbrauen
  • Kulturformen der Nutzung bäuerlicher Gemeinschaftswälder im Steigerwald und angrenzenden Regionen
  • Verwendung und Weitergabe der Brailleschrift* in Deutschland (* tastbare Schrift für Menschen mit Sehbehinderung)
  • Brauch des Martensmanns
  • Grasedanz im Harz
  • Friedhofskultur in Deutschland

Zwei Modellprogramme zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes schafften die Anerkennung als „Gute Praxisbeispiele“:

  • Revitalisierung des Spiels auf der diatonischen Handharmonika in Mecklenburg-Vorpommern
  • Revitalisierung synagogaler Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts Mittel- und Osteuropas

Zwei der erfolgreichen Bewerbungen kamen aus Mecklenburg-Vorpommern:
Der Brauch des Martensmanns und die Revitalisierung des Spiels auf der diatonischen Handharmonika* in Mecklenburg-Vorpommern (Ziehharmonika / Plattdeutsch Treckfiedel)
Was verbirgt sich hinter dem Martensmann? Beim Brauch des Martensmanns sendet die Stadt Lübeck den mecklenburgischen Herzögen jedes Jahr ein Fass Wein nach Schwerin. Das Fass wird vom Martensmann transportiert und überreicht. Der Brauch wurde 1520 erstmals urkundlich erwähnt, bis 1817 fortgeführt und 1991 nach der deutschen Wiedervereinigung wieder eingeführt, um die Gemeinsamkeit der ehemals geteilten Region zu betonen.
Der Martensmann beginnt seine Fahrt mit einer Kutsche am 9. November und folgt einer festgelegten Route. Auf dem Weg nach Schwerin macht er zwei Stationen: zuerst in Schönberg für ein Mittagessen und dann in Rehna. In Rehna übernachtet der Martensmann, bevor er am nächsten Tag seine Fahrt nach Schwerin fortsetzt. In Schönberg, Rehna und Schwerin wird er jeweils mit einem Volksfest begrüßt, bei dem der Wein aus dem Fass verkostet wird. In Schwerin angekommen überreicht der Martensmann das auf der Fahrt bereits mehrfach wieder aufgefüllte Fass schließlich an den Oberbürgermeister von Schwerin. Ergänzt wird der Brauch heute von mehreren Arbeitsessen von Vertreterinnen und Vertretern der Städte, bei denen kommunalpolitische Themen besprochen werden.
Darüber hinaus sind aus Deutschland
der Moderne Tanz, die Flößerei und die Hohl- und Flachglasfertigung für die internationale UNESCO-Liste nominiert. www.UNESCO.de
Aus diesem Anlass wird der Verein zur Förderung der Heimatpflege und des Darß-Museums e.V. die Broschüre „Immaterielles Kulturerbe in M-V erleben“ in einer ergänzten 2. Auflage herausgeben. Dafür ist ein Antrag auf Förderung durch die Ehrenamtsstiftung M-V gestellt worden. Die Erscheinung des neuen Heftes ist für den Sommer 2020 vorgesehen.

Antje Hückstädt
Museumsleiterin Darß-Museum
Sprecherin des Arbeitskreises immaterielles Kulturerbe im Museumsverband M-V

Hier finden Sie die Pressemitteilung des Arbeitskreises