Pressemitteilung vom 15.05.2020

Pressemitteilung des Museumsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Rostock, den 15. Mai 2020

 

Ein Rettungsschirm für's Kulturerbe

 

Die Corona-Pandemie hat viele Verlierer. Bund, Land und Kommunen bemühen sich, Rettungsschirme für besonders gefährdete Existenzen oder für ganze Branchen zu spannen. Museen sind zwar keine gewinnorientierten Einrichtungen, aber auch ihre Haushalte geraten durch fehlende Besucher und Veranstaltungen in Schieflage. Seit wenigen Tagen haben viele mit zusätzlichem – auch finanziellem – Aufwand die Voraussetzungen geschaffen, um mit eingeschränktem Angebot wieder öffnen zu können.

 

Den Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen Tagen besorgniserregende Informationen aus der Museumslandschaft unseres Landes erreicht. Die Folgen der Krise könnten gravierender sein als bisher abzusehen war. Die bei wegbrechenden kommunalen Einnahmen mittel- und langfristig zu erwartenden Einsparungen werden auch die Museen treffen. Zu befürchtende Schließungen als Folge von Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand werden vor allem die kommunalen Museen treffen. Schon jetzt verzeichnen kleinere und privat geführte Museen zum Teil gravierende Einbrüche durch wegbrechende Einnahmen, die sich im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensieren lassen werden. Verluste in der Museumslandschaft werden dauerhaft und nicht zu kompensieren sein, wenn nicht schon jetzt kluge Konzepte für die Zukunft ins Auge gefasst werden. Es gilt, die Museen nicht nur, wie bisher, als Freizeit- und Tourismuseinrichtungen zu sehen, sondern als Bildungseinrichtungen und Bewahrer unserer Landeskultur anzuerkennen und sie als solche zu behandeln. Der Museumsverband steht zu Gesprächen und Empfehlungen für einen Maßnahmenplan zur Verfügung. Er sieht das Land in der Pflicht, hier die richtigen Signale zu setzen, den Museen und ihren Beschäftigten eine Perspektive zu geben und einem Verlust von Landeskultur vorzubeugen.

 

Der Museumsverband sorgt sich schon jetzt um die Zeit nach Corona. Wird in den „Zeiten knapper Kassen“, in denen all das Geld für Rettungsschirme wieder eingesammelt wird, das große Gürtel-enger-Schnallen folgen? Werden Träger und untere Rechtsaufsichtsbehörden wieder mit dem nur in Deutschland bekannten Unwort der „freiwilligen Aufgabe“ die kulturelle Substanz als Sparpotenzial der Haushalte ausmachen?

Der Museumsverband des Landes fordert deshalb entschieden, die gegenwärtig erforderlichen Einschränkungen zum Anlass zu nehmen, die Grundlagen für eine Museumspolitik zu schaffen, in der die Pflege des kulturellen Erbes unseres Landes, wie es uns von vergangenen Generationen übergeben wurde, zu einer auch finanziell abgesicherten Pflicht zu machen, so wie es in anderen Ländern – und auch anderen Bundesländern – der Fall ist.

 

Der Museumsverband steht der Landesregierung für die Arbeit an Konzepten auf diesem Weg gern zur Verfügung.

 

Der Vorstand des Museumsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern e. V.